Faschingsmützen: Malen mit Nadeln

Die Narrenkappen gehören zum Fasching wie der Gardetanz zu den Prunksitzungen. In Marktleugast in Oberfranken produziert eine Stickerei und Näherei individuelle und handgefertigte Mützen. Unter der Aufsicht von Birgitt Rodler läuft der Betrieb von Sommer bis Fasching auf Hochtouren. FrankenSein hat sich in der Produktion umgesehen.

Die grauen Maschinen haben schon ein paar Jahrzehnte auf dem Rücken, trotzdem rattern sie unermüdlich vor sich hin. Ihre Nadeln stechen wieder und wieder in die bunten Stoffe. Im oberfränkischen Marktleugast entstehen so Tag für Tag Nähereien und Stickereien, die über die deutschen Grenzen hinaus bekannt sind.

Von Scheitern und Erfolg

Seit elf Jahren gibt es die AFW Creativ Stickerei bereits. Die Buchstaben AFW stehen für Abzeichen, Fahnen und Wimpel, zum Beispiel: Abzeichen auf Vereinskleidung, Fahnen für Feuerwehren und Wimpel für den DFB. „Natürlich können Nähereien in Tschechien oder Fernost billiger herstellen als wir, aber dass wir zum Beispiel auch nach Holland, Belgien und sogar bis nach Australien liefern, zeigt ja, dass unsere Ware gut ankommt und darum geht es doch“, sagt Geschäftsführerin Birgitt Rodler. Der Firma ging es finanziell nicht immer gut. Vor elf Jahren ging die AFW Creativ Stickerei aus der Firma Meinel hervor, die 2008 Insolvenz anmelden musste. Birgitt Rodler, 59, arbeitete zu diesem Zeitpunkt seit 25 Jahren als gelernte Maschinenstickerin im Betrieb und wollte sich mit der Schließung des Unternehmens nicht abfinden. „Dann übernehme ich eben den Betrieb, habe ich mir gedacht und meine zwei Schwestern, meine Großcousine und einen guten Freund mit ins Boot geholt,“, erinnert sie sich. Ihr Engagement hat sich gelohnt: Auch in Vertretung für die ganze Firma wurde Birgitt Rodler in den vergangenen Jahren mehrmals ausgezeichnet, zuletzt 2016 mit dem Bayerischen Verdienstorden.

Kein Narr ohne Kappe

Das Aushängeschild ihres 32-Mann-Betriebs sind die handgefertigten Karnevalsmützen. Nach eigenen Angaben beliefert die Firma rund 80 Prozent der Kölner Karnevalsvereine. Fasching – oder Karneval, wie er bei den Kölner Kunden genannt werden muss – beginnt in Marktleugast bereits mindestens ein halbes Jahr vor der eigentlichen Narrenzeit. „Jetzt ist nichts mehr normal“, fasst Christine Zapf, Leiterin der Näherei und kleine Schwester von Birgitt Rodler, die Lage Ende Januar zusammen. Ohne Überstunden wäre das Pensum nicht zu schaffen. Den Stress entlohnt dann, „wenn unsere Mützen im Fernsehen zu sehen sind, zum Beispiel bei der Prunksitzung in Veitshöchheim!“

In Veitshöchheim ist ein paar Tage vor der Narrensitzung auch sehr viel zu tun. Marco Anderlik, Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken, schätzt besonders die Vielfalt im Faschingsgetümmel und auch unter den Narrenkappen: „Jeder Verein ist bei der Gestaltung der Mützen sein eigener Herr. Man findet oftmals ähnliche Barettformen, aber die sonstige Gestaltung ist völlig individuell: Mal mit Bommel, mal mit Glöckchen und in ganz verschiedenen Farben.“ Das zeigt sich auch in den Materialien, die in der Produktionshalle in Marktleugast verstreut liegen: Muster-Schnitte, die fein säuberlich sortiert in einem Regal hängen, dünne und dicke Borten in Silber und Gold, bunte Steinchen, die per Vakuummaschine angebracht werden, und Stoffe in beinahe allen erdenklichen Farben.

Bis eine Mütze fertig ist, kann es von 40 Minuten bis zu acht Stunden dauern. Manche der Mützen sind sogar personalisiert mit dem eigenen Namen oder der Telefonnummer, für den Fall, dass die Kappe in der Ausgelassenheit der Fastnacht verloren geht. Im Betrieb in Marktleugast wird erst ab Fasching für sechs bis sieben Wochen Ruhe einkehren. Die Narrenzeit kommt aber wieder und schon im Spätsommer startet die Produktion für die nächste Saison. Birgitt Rodler hat vor, das noch viele Jahre mitzumachen, nach dem Motto: Ohne Fleiß kein Preis.

Blick auf viele bunte Stoffe

Elisabeth Ries

Moritz Holpert

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