Blindheit und Sehbehinderung unter der Lupe

Wie sieht die Welt aus, wenn die Augen nicht mehr richtig arbeiten? Wie fühlt sie sich für jemanden an, der sie noch nie gesehen hatWelche Gründe gibt es für eine Erblindung oder eine Sehbehinderung und wo ist eigentlich der Unterschied? Wir betrachten die Welt einmal durch die Augen blinder und sehbehinderter Menschen. 

Tipps zur Navigation mit der Tastatur:

Für eine erleichterte Bedienung wird empfohlen, das Plugin „Barrierefreiheit“ mit [Strg] + [U] oder für Apple [CTRL] + [U] zu öffnen und mit einem einmaligen Betätigen der [Enter] Taste die „Tastatur-Navigation“ zu aktivieren. Anschließend kann das Plugin mit [ESC] wieder geschlossen werden. Dadurch ist es möglich, den Beitrag via Tastenausführung zu navigieren: Durch [Tabulator] kann vorwärts navigiert werden und durch die Kombination [Tabulator] + [Shift] zurück. Dabei wird jeweils von Link zu Link gesprungen.

Die rechtliche Situation in Deutschland

Sehbehindert oder blind? Was bedeutet das eigentlich konkret? Um dies im rechtlichen Kontext klar beantworten zu können, gibt es in Deutschland feste Definitionen:
Eine Sehbehinderung liegt vor, wenn die betroffene Person trotz Brille oder Kontaktlinse auf dem besser sehenden Auge über ein Sehvermögen von 30 Prozent oder weniger verfügt. Wesentlich sehbehindert beschreibt ein Sehvermögen von fünf Prozent oder weniger und eine Blindheit liegt vor, wenn jemand weniger als zwei Prozent dessen sieht, was ein normal sehender Mensch erkennt.

Aufbau des menschlichen Auges

Ein Modell des Auges mit Beschriftung für: Linse, Hornhaut, Glaskörper, Netzhaut, Makula und Sehnerv

Bei gesunden Menschen läuft das Sehen so ab: Licht fällt durch die Hornhaut ins Auge. Die Augenlinse bündelt das einfallende Licht, welches dann den Glaskörper durchquert und im Idealfall an einem bestimmten Punkt auf der Netzhaut landet. Dieser Punkt ist der Ort des schärfsten Sehens und wird Makula oder auch gelber Fleck genanntDer Sehnerv leitet die Informationen, die am gelben Fleck ankommen, weiter ins Gehirn.  

Armin NembachBlinder Gitarrist und Kellner im Dunkelrestaurant

Armin Nembach ist seit seiner Geburt blind – und führt trotzdem ein selbstbestimmtes Leben. Er hat seine Leidenschaft, das Gitarrespielen, zu seinem Beruf gemacht und unterrichtet sogar andere am Instrument. Seit kurzem arbeitet er außerdem in einem sogenannten Dunkelrestaurant im mittelfränkischen Bergen. Hier essen die Besucher ein Drei-Gänge-Menü in einem vollständig abgedunkelten Raum. Im Gegensatz zum Alltag in einer Welt, in der sehende Menschen ständig im Vorteil sind, sind Blinde in diesem Job klar überlegen.  

Die Ursachen für Sehbehinderung oder Blindheit 

Dr. med. Axel Jaksche

Dr. med. Axel Jaksche ist Facharzt für Augenheilkunde aus Ansbach. Im Interview hat er uns die häufigsten Augenkrankheiten erklärt: Wann treten diese auf? Wie wirken sie sich auf das Sehen aus und wie können sie behandelt werden?

In den Slidern könnt ihr euch ansehen, welche Auswirkungen die jeweilige Augenkrankheit auf das Blickfeld hat.

Altersabhängige Makula-Degeneration

Grauer Star (Katarakt) 

Grüner Star (Glaukom) 

Retinitis Pigmentosa 

Diabetische Retinopathie 

Bilderstrecke: Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Personen

Für Menschen mit einer Blindheit oder Sehbehinderung gibt es eine Vielzahl an Hilfsmitteln, die ihnen helfen, im Alltag zurechtzukommen.

Wie können Einrichtungen und Gemeinden Blinde und Sehbehinderte unterstützen? 

Blindenleitsysteme helfen blinden und sehbehinderten Menschen dabei, sich zurechtzufinden. Damit sich Menschen, die einen Blindenstock nutzen, gut in einer Stadt zurechtfinden, werden immer mehr Outdoor-Leitsysteme installiert, sogenannte taktile Bodenleitsysteme. Diese bestehen aus Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfeldern. Leitstreifen weisen den Weg, Aufmerksamkeitsfelder zeigen besondere Stellen an, wie zum Beispiel eine Ampel, eine Bushaltestelle oder den Beginn einer Treppe. 

Leitstreifen
Aufmerksamkeitsfeld
Ein Blindenleitstreifen, der von der Bildmitte in die Entfernung verläuft. Am Ende ist eine Straße und Räder eines Autos zu erkennen.

Spezielle Blindenampeln kommunizieren mit der blinden Person durch Vibrieren oder einen lauten Ton und machen so ein gefahrloses Überqueren der Straße möglich. 

Um sich in fremden Städten zurechtzufinden, bietet der Blinden- und Sehbehindertenbund in vielen Städten haptisch erfahrbare Stadtpläne. Auch im Nürnberger Hauptbahnhof finden sich zwei dieser ertastbaren Straßenkarten. 

Um blinde Menschen auch an Architektur und Sehenswürdigkeiten teilhaben zu lassen, werden immer häufiger sogenannte Tastmodelle aufgestellt. Diese sind ein möglichst exakter Miniaturnachbau des jeweiligen Gebäudes, welcher mit den Fingern befühlt werden kann. So können Form und Proportionen nachempfunden werden. In Ansbach befindet sich ein solches Modell beispielsweise vor der katholischen Kirche St. Ludwig.

Tastmodell der St. Ludwig Kirche Ansbach.
Eingangstür, Treppen und Backsteine können erfühlt werden.
Die Rückseite der Kirche.
Beschriftung des Modells in Brailleschrift.
Ein Tastmodell der St. Ludwig-Kirche in Ansbach aus Metall. Im Hintergrund ist ein Gebäude und ein Lieferwagen zu sehen.

Orientierung auch im Inneren 

Nicht nur die Orientierung im Freien kann Blinden erleichtert werden. Taktile Bodensysteme können genauso auch im Gebäudeinneren verwendet werden. Fahrstühle, Handläufe und Türschilder wie beispielsweise in Behörden oder an öffentlichen Toiletten sollten außerdem immer mit Brailleschrift gekennzeichnet werden. Zusätzlich dazu können viele neuere Fahrstühle sogar über Sprache gesteuert werden. 

Neben taktilen Systemen nutzen moderne Indoor-Leitsysteme sogenannte Beacons. Diese senden Bluetooth-Signale aus, welche mit einer Smartphone-App interagieren. Befindet sich der Nutzer dieser App in der Nähe eines Beacons, meldet dieses seine Position und Informationen über die nähere Umgebung. So weiß das Smartphone, wo im Gebäude es sich befindet und welchen Weg der Nutzer gehen muss, um sein Ziel zu erreichen – ähnlich wie ein Navigationsgerät. 

Das Internet muss barrierefrei sein 

Welche große Rolle die Barrierefreiheit im Internet spielt, ist vielen Menschen vermutlich gar nicht bewusst. Blinde Menschen nutzen häufig Bildschirmlesegeräte, die ihnen Textinformation in Sprache ausgeben. Problematisch für diese Lesegeräte wird es, wenn Bilder nicht beschriftet sind oder Tabellen als Grafik und nicht als Text eingefügt wurden. Gerade bei amtlichen Formulare wie beispielsweise Anträgen ist es sehr wichtig, dass Städte und Gemeinden auf eine barrierefreie Umsetzung Wert legen.  

Bei Problemen im Straßenverkehr oder beim Ausfüllen von Formularen ist es für Sehbehinderte und Blinde sehr wichtig, auf offene Ohren für ihre Bedürfnisse und Anregungen zu stoßen. Städte können Menschen mit einer Behinderung entgegenkommen und einen Behindertenbeauftragten einsetzen, der sich um ihre Anliegen kümmert. Auch die Stadt profitiert von der Zusammenarbeit mit Behinderten, da diese von ihren Erfahrungen berichten können und die Stadt so herausfindet, welche Probleme vorliegen und wie sie diese effektiv beseitigen können. 

Hilfsangebote für Blinde und Sehbehinderte 

Von Sehbehinderung oder Blindheit betroffen oder bedroht zu sein, ist nicht einfachWenn ihr oder eure Angehörigen euch in dieser Situation befindet, gibt es aber auch in Mittelfranken einige Anlaufstellen, an die ihr euch wenden könnt:  

Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB) 

Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund ist eine Selbsthilfeorganisation, die von Betroffenen gegründet wurde. Er vertritt die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen in der Öffentlichkeit mit dem Ziel, Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das Beratungs- und Begegnungszentrum der Bezirksgruppe Mittelfranken befindet sich in Nürnberg.  

Website des BBSB 

Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) 

Die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung berät unentgeltlich in allen Fragen, die mit dem Thema Behinderung zu tun haben. In Mittelfranken befinden sich Standorte mit Beratungsangeboten zu Blindheit und Sehbehinderung neben Nürnberg, Fürth und Erlangen auch in Ansbach, Herzogenaurach, Eckental, Schwabach, Roth, Wassertrüdingen und Treuchtlingen. 

Website der EUTB 

Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfegruppen KISS Mittelfranken e.V. 

KISS Mittelfranken ist eine Anlaufstelle für sämtliche Selbsthilfegruppen in Mittelfranken. Über die Webseite können Betroffene nach Problematik und Ort suchen und so andere Betroffene in ihrer Stadt kennenlernen und sich austauschen. Neben klassischen Selbsthilfegruppen wird dort auch über Informationsveranstaltungen, Stammtische oder gemeinsame Freizeitaktivitäten informiert. 

Website von KISS 

Marie Wetzel, Melina Möhnle

Luisa Filip

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Ähnliche Beiträge

Menü