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Ranger in Franken – Ein neuer, aber etablierter Beruf

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Steigerwald-Naturpark-Ranger Verena Kritikos

Ranger in Franken? Gibt es die nicht nur in Amerika? Nein: Steigerwald-Naturpark-Ranger Verena Kritikos ist der lebende Beweis dafür, dass sich das Berufsfeld auch in Franken gut etabliert hat. Sie nimmt uns imaginär mit durch ihren Tag: durch grünende Wälder, florierende Biotope, Weiherketten, Wiesentäler – und ins Büro.

Das Laub raschelt bei jedem Schritt unter unseren Füßen, als wir Verena Kritikos durch den Wald folgen. Vögel zwitschern, die weißen Blumen am Wegrand wiegen sich im Wind und kleine Böen bringen die Blätter in den Bäumen zum Rascheln. Kleinere Büsche und Bäume beginnen bereits zu grünen. Sie sind früher dran als die Großen, damit sie noch ein bisschen Licht abbekommen, bevor die Baumkronen der großen Bäume sie abschirmen, wie uns Verena erklärt. Sie hat viel Interessantes zu berichten. Der Weg wird immer schmaler, bis wir uns nur noch über einen kleinen Trampelpfad durch den Wald bewegen. Angst uns zu verlaufen hatten wir keine. Denn Verena ist Ranger im Steigerwald und kennt sich dort bestens aus.
Ranger in Franken? Ja, das gibt es. Verena hat diesen Berufsweg eingeschlagen und berichtet uns über ihre Arbeit und den Alltag im Leben eines Rangers.

Ranger in Bayern – ein seltener Beruf?

In Bayern ist der Beruf des Rangers zwar relativ neu, aber mittlerweile gut etabliert. Die Anfänge hatte das Berufsfeld in den Naturparks hier im Jahr 2018. Damals entstand die Naturoffensive Bayern, in deren Rahmen der Naturschutz flächendeckend auch außerhalb der großen Nationalparks gestärkt werden sollte. Seitdem sind in fast allen bayrischen Naturparks Ranger unterwegs.

Was macht man als Ranger?

Wie uns Verena offenbart, hat man als Ranger ein vielfältiges Arbeitsfeld. „Im Grunde versteht man unter der Berufsbezeichnung den Vermittler zwischen Mensch und Natur“, erklärt sie uns. Zu den Tätigkeiten gehören Naturschutz und Landschaftspflege, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit, Besucherlenkung sowie naturschutzfachliche Untersuchungen.

Ein Tag im Leben von Verena

Ein Tag im Leben von Verena ist schwer zu beschreiben. Jeder Tag ist anders. Eine feste Tagesroutine gibt es nicht. Da der Steigerwald Naturpark mit seinen 1280 Quadratkilometern sehr groß ist, hat sich das dreiköpfige Rangerteam aber sowohl bezüglich des Einsatzgebiets als auch des Expertenwissens gut organisiert. Verenas Steckenpferd ist die Bildungsarbeit: „Die Arbeit mit kleinen Kindern macht mir total viel Spaß. Ich betreue auch die Partnerschaft mit zwei Kitas im Naturpark.“ Aufgaben an der frischen Luft bereiten ihr am meisten Freude. Dann ist sie unterwegs, um ihr Gebiet besser kennen zu lernen, oder um einer spezifischen Aufgabe nachzugehen: „Zum Beispiel wenn man Ausschau nach schönen Wanderstrecken hält: Wo kann ich Besuchern des Naturparks schöne Orte zeigen, wo gibt es spannende Biotope? Unterwegs merkt man vielleicht, dass die Wanderbeschilderung beschädigt wurde oder eine Infotafel nicht mehr aktuell ist. Das dokumentiere ich dann sofort. Manchmal ist man bei schönem Wetter auch auf viel begangenen Wanderwegen unterwegs und zeigt einfach ein bisschen Präsenz und schaut, ob es vielleicht irgendwo Probleme gibt. Allein die Arbeit draußen ist sehr vielfältig“, schildert Verena ihren Arbeitsalltag. Aber neben der Arbeit an der frischen Luft muss auch vieles an Büroarbeit erledigt werden: Broschüren müssen entworfen, Zoomkonferenzen mit anderen Experten abgehalten und Bildungsaufträge erledigt werden.

Es sind die kleinen Momente, die den Beruf besonders machen

Was von all dem macht am Meisten Spaß? Verena blüht auf, als sie uns von den schönsten Seiten ihrer Arbeit erzählt: „Am meisten Spaß macht mir eigentlich, dass man immer wieder etwas Neues entdeckt und mit Menschen in Kontakt kommen kann. Manchmal sind es aber auch die kleinen Freuden unterwegs. Vor einigen Wochen war ich in der Nähe von einem schönen Biber-Biotop unterwegs. Damals habe ich gesehen, dass der Biber eine dicke Pappel angenagt hatte und war gespannt, wann er die fällt. Letztens bin ich wieder dort vorbeigefahren und habe mich gefreut: Ah er hats geschafft! Also manchmal sind es einfach die Kleinigkeiten.“ Auch bei der Arbeit mit den Kindern geht sie auf: „Einmal war ich mit einer Kitagruppe im Wald unterwegs und habe mir mit einem Jungen ein bisschen Moos angeschaut. Ich habe ihm erklärt, dass es unterschiedliche Moose gibt – dunklere und hellere. Auf dem Rückweg ist er an jedem Baum und jedem Ast begeistert stehengeblieben und hat festgestellt, dass überall Moos ist. Das ist schon süß und ich habe mich gefreut, dass er sich so sehr dafür begeistern konnte.“

Der Beruf – für sie eine Berufung

Für Verena war schon früh klar, dass sie etwas Naturbezogenes machen möchte: „Schon in der Schule habe ich mich für die Natur und Biologie interessiert. Deswegen habe ich nach dem Abi ein freiwilliges ökologisches Jahr im Nationalpark Berchtesgaden gemacht. Mit den anderen FöJlern und Praktikanten habe ich mich dort hauptsachlich um die Umweltbildung gekümmert. Aber das Rangerbüro war direkt nebenan und ich habe oft neidvoll rüber geschaut. Nach dem freiwilligen ökologischen Jahr habe ich dann aber erstmal Umweltwissenschaften studiert und anschließend noch meinen Master in Erwachsenenbildung begonnen. Aber dann habe ich die Stelle im Steigerwald gesehen, habe mich beworben und ja – es hat geklappt.“
Wie beispielsweise im Journalismus gibt es auch für Ranger keinen vorgefertigten Bildungsweg. „Es ist aber schonmal ein guter Anfang, wenn man vielleicht einen grünen Beruf gelernt hat, also aus dem Forst, der Landwirtschaft oder der Gärtnerei kommt. Aber das ist kein Muss: Es gibt auch einige Quereinsteiger, die anderweitig Vorwissen aus der Natur mitbringen oder aus dem pädagogischen Bereich kommen“, erklärt uns Verena. Eins haben aber die meisten Ranger in Deutschland gemeinsam: Sie haben eine einjährige Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger absolviert.

Immer gut ausgestattet

Mit ihrem grünen Rangeroutfit und dem grünen Hut leitet uns Verena durch den Wald. Das ist ihre Arbeitsuniform. So ist sie für alle vorbeikommenden Spaziergänger, Wanderer und Naturbegeisterten leicht als Expertin zu erkennen. Den Hut trägt sie aber nicht immer, wie sie uns lachend verrät: „Den habe ich nicht jeden Tag auf, weil ich ganz gerne mal den Wind in den Haaren habe.“ Was außerdem nicht fehlen darf sind Fernglas, Brotbox und Handy: „Die Brotzeitbox ist nicht unbedingt immer nur für die eigene Verpflegung gedacht, sondern eben auch mal, falls man was Spannendes findet. Ich bin beispielsweise immer auf der Suche nach kleinem Anschauungsmaterial für unsere Führungen. Aber auch das Handy ist ziemlich wichtig für den Fall, dass man etwas Aufregendes oder Unbekanntes sieht. Davon mache ich dann einfach ein Foto und zeige es den Anderen im Büro.“ Und nicht zu vergessen: die wetterfeste Kleidung! „Da gibt es diesen abgedroschenen Spruch: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Aber in gewisser Weise stimmt es sogar. Regenwetter im Sommer ist das beste Wetter, um manche Tiere zu finden – Feuersalamander zum Beispiel. Und auch im Winter oder bei schlechtem Wetter freut man sich mal frische Luft zu schnappen. Wir sind echt gut ausgestattet und es ist auch manchmal ganz spannend unterwegs zu sein, wenn sonst keiner draußen ist.“

Text: Cathrin Wicke / Bilder: Selina Heidig, Cathrin Wicke

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