Natur

Winterzauber in Franken

Ein Beitrag von Lara Koch

Übernacht hat die klirrende Kälte die Landschaft zu Eis erstarren lassen. Jeder Grashalm, jeder Ast – von Eis ummantelt und im tiefen Winterschlaf. Wir nehmen euch mit in eine Welt, in der die Zeit stillsteht.

Kurz vor Weihnachten erleben wir in Franken den kältesten Dezember seit 2012. Eine Winterlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Eiskristalle wohin das Auge blickt. Die Welt ist erstarrt. Geräusche sind kaum wahrzunehmen. Die Natur in Franken zeigt eine ihrer erbarmungslosesten und doch wunderschönsten Seiten.

Winterzauber am Bach

Unsere Winterwanderung beginnen wir an diesem Morgen nach einer der kältesten Nächte des Jahres an einem Bachlauf der Anlauter in der Nähe des Dorfes Nennslingen. Verorten lässt sich das zwischen Eichstätt und Weißenburg auf dem fränkischen Jura. Wir stapfen durch den gefrorenen Schnee immer entlang des Wassers. Übernacht war es so kalt, dass das Schilf sich zu regungslosen Eisskulpturen verwandelt hat. Auch die Äste der Bäume neben der Anlauter sind schneeweiß. Es scheint beinahe so, als hätte die Kälte auch die Zeit miteingefroren. Plötzlich entdecken wir in einiger Entfernung etwas kleines Rundes auf einem Pfosten am Ufer. Ein Eisvogel. Sein Körper ist bedeckt mit orangen und blauen Federn. Vor dem endlosen Weiß der Schneelandschaft sieht er beinahe aus wie ein Fantasiewesen. Bunt und lebensfroh sitzt er da und trotzt diesen lebensfeindlichen Bedingungen. Ein kleines Wunder der Natur. Wir wandern die Biegungen des Baches entlang und kommen nach einiger Zeit an eine Wehr. Hier ist das Wasser zu Eiskristallen erstarrt. Beeindruckt von deren außergewöhnlicher Schönheit bleiben wir stehen und bewundern die Eisklumpen, wobei keiner dem anderen gleicht. Am gegenüberliegenden Ufer erspähen wir dann auch noch eine Bekassine. Während wir sie leise beobachten, stochert sie mit ihrem langen Schnabel eifrig im Boden nach Nahrung. Dabei kann nicht mal die gefrorene Schneedecke sie aufhalten.

Winterzauber bei den Pferden

Als wir vom Bach abbiegen und einen Hügel hinauflaufen, kommen wir an einem Kiefernwald vorbei. Dahinter befindet sich ein kleiner Reiterhof. Ein paar Pferde stehen auf einer Koppel und haben uns schon von weitem kommen hören. Als wir näherkommen, spitzen sie ihre Ohren. Ihr Winterfell ist lang und dicht. So dicht, dass ihnen offensichtlich nicht einmal die Kälte der letzten Nacht etwas anhaben konnte. In den ersten Sonnenstrahlen des Tages stehen sie nun da und wärmen sich auf. Mit großen dunklen Augen blicken sie uns an. Fast nach dem Motto: „Habt ihr was zu essen dabei?“ Auf der Weide haben sich lange Gräser und andere Gewächse verbreitet und sind nun wie alles andere zu Eis erstarrt. Mit ihren warmen Nasen schieben die Pferde den Schnee beiseite und suchen den Boden nach Fressbarem ab. Viel scheint dort jedoch nicht mehr zu wachsen, weshalb die Tiere sich dann doch lieber am trockenen Stroh in ihrem Trog bedienen. Es herrscht eine Atmosphäre wie in einer subpolaren Tundra. Wenn wir nicht wüssten, dass wir uns in Franken befinden, könnte man meinen, dass wir einen Ausflug nach Finnland in eine abgelegene Gegend unternommen hätten. Wir lassen die Pferde hinter uns und wandern Richtung Gersdorf.

Zauberhafte Landschaften

Nach ein paar Minuten haben wir die höchste Stelle der Hügelkette erreicht und blicken über die gefrorene Landschaft. Von hier oben aus hat man eine ganz neue Perspektive über das Ausmaß der Kälte. Weite Landstriche in weiß gehüllt. Hecken, Gräser, Bäche und Täler sind fest im Griff des Winters. So starr und leblos die Natur zu dieser Jahreszeit erscheint ist sie jedoch überhaupt nicht. Wer genau hinsieht erkennt, dass einige Lebewesen selbst bei diesen unwirtlichen Bedingungen ihrem tierischen Alltag nachgehen. Beflügelt von der einzigartigen Winterlandschaft treten wir unseren Heimweg an. Während die Tiere hier draußen den ganzen Winter mit all seinen Kälteperioden überstehen, wird uns nach zwei Stunden trotz dicken Winterjacken langsam aber sicher kalt. Wir sind beeindruckt von dieser einzigartigen Seite der Natur, deren Schönheit in völligem Gegensatz zu der erbarmungslosen Kälte steht, in die sie sich zu dieser Zeit hüllt. All unseren Lesern können wir nur empfehlen, es uns gleich zu tun: Raus in die Natur und rein in den Zauber des Winters!

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