Moderne trifft Mittelalter – Eine Reise ins romantische Feuchtwangen

Im westlichsten Teil Mittelfrankens treffen sich Kultur und Industrie auf engstem Raum. Feuchtwangen schafft den Spagat zwischen Mittelalter und Moderne wie kaum eine andere Stadt in der Region und bietet sich für einen Kurztrip übers Wochenende geradezu an. Die Kreuzgang-Metropole im Portrait.

“Erst bescheiden und jetzt blühend”, so beschreibt Bürgermeister Patrick Ruh (CSU) seine Kommune. Im Kern der Stadt leben rund 7.200 Menschen. Allerdings zählen zu Feuchtwangen 87 angrenzende Ortsteile, sodass die Gesamtbevölkerungszahl über 12.500 Bürger beträgt. “Die Stadt hat in den letzten Jahren ein beachtliches Wachstum hingelegt. Feuchtwangen ist dadurch selbstbewusster geworden”, erklärt Ruh nicht ohne Stolz.

Vor allem der Strukturwandel von der Landwirtschaft hin zur Industrie ist dem Ort an der Grenze zu Baden-Württemberg gut geglückt. Das größte Unternehmen ist die Rehau AG mit bis zu 1700 Mitarbeitern. In dem großen Werk am Stadtrand stellen die Beschäftigten polymere Werksstoffe für Baugewerbe, Mobilität und Industrie her.

Kulturelle Highlights ziehen Besucher an

Auch kulturell hat Feuchtwangen viel zu bieten: Kunsthistoriker Georg Dehio bezeichnete den originellen Marktplatz samt Stiftskirche einst als “Festsaal Frankens”. Der romanische Kreuzgang dient im Sommer als Kulisse für die überregional bekannten Kreuzgangspiele. Das Freilichttheater zieht jedes Jahr bis zu 50.000 Besucher an. 2018 stehen neben Goethes Faust auch Schneewittchen und eine Hommage an Franz Kafka auf dem Programm.

Kunstliebhaber kommen außerdem im Fränkischen Museum auf ihre Kosten. In einem alten Fachwerkhaus können Besucher dank einer großen Volkskunstsammlung in die Lebensumstände damals und heute eintauchen. Auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern finden sich Möbel, Brauchtumsgegenstände und religiöse Kunst.

Bildung und blühende Gewerbe

Bis 1997 war Feuchtwangen ein Bundeswehrstandort. Zwei Jahre später entstand auf dem ehemaligen Kasernengelände die Bayerische Bauakademie als Fortbildungseinrichtung für das Handwerk. Auch die Hochschule Ansbach hat hier eine Außenstelle. Diese will Bürgermeister Ruh in den nächsten Jahren weiter stärken. “Dank blühendem Gewerbe und vielen Bildungseinrichtungen ist Feuchtwangen hinsichtlich der Einwohner die jüngste Stadt der Region”, erklärt das Stadtoberhaupt.

Apropos Einwohner: Feuchtwangen ist auch der Geburtsort eines echten Stars aus dem Mittelalter. Der berühmte Sänger und Dichter Walther von der Vogelweide soll aus der Kreuzgangstadt stammen, so lautet zumindest eine These der Historiker.

In zwei Jahren steht der Ort erneut im Fokus der Aufmerksamkeit: Dann feiern die Einwohner ihr großes Stadtjubiläum. Vor 1200 Jahren wurde Feuchtwangen mit seinem Benediktinerkloster zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Bereits jetzt gibt es ein eigenes Festkomitee, das die Feierlichkeiten plant. “Wir sind gerade dabei, ein Jubiläums-Bier zu brauen”, verrät Bürgermeister Ruh. Für ihn ist Mittelfranken nicht nur Heimat, sondern auch die kultivierteste Region Deutschlands: “Obwohl wir wenig Wert auf Außenwirkung legen, verstecken müssen wir uns auf keinen Fall.”

Eva Orttenburger

Anna Müller, Franziska Ehrenfeld, Kerstin Lunzner

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