Ein Stück Simbabwe in Mittelfranken: Die Into-Africa-Skulpturengalerie

Zimbabwe meets Wernsbach: Die Into-Africa-Skulpturengalerie sorgt für afrikanisches Flair inmitten eines kleinen fränkischen Dorfes. FrankenSein zeigt die Bilder der beeindruckenden Ausstellung.

Seit über 20 Jahren veranstaltet Fritz Meyer regelmäßig Steinbildhauer-Workshops mit den renommiertesten Künstlern aus dem südöstlichen Afrika. Seine Into-Africa-Skulpturengalerie umfasst inzwischen etwa 1.500 Figuren. Wie er als früherer Reiseveranstalter auf die Idee kam, so ein Projekt in einem fränkischen Dorf umzusetzen und warum ein afrikanisches Fest mittlerweile sogar die Dorf-Kirchweih ersetzt, erklärt er im Gespräch mit FrankenSein.

FrankenSein zeigt die beeindruckenden Bilder der Into-Africa-Skulpturengalerie.
2005 eröffnete Fritz Meyer die Galerie in Wernsbach bei Georgensgmünd.
Die Skulpturen werden aus Serpentinsteinen aus Simbabwe gefertigt.
Die Arbeit mit dem Stein beschreibt Fritz Meyer als sehr meditativ. „Man fängt an zu klopfen und versinkt quasi in den Stein.“
Workshops dauert durchschnittlich drei bis fünf Tage und werden jährlich von April bis Oktober angeboten.
FrankenSein zeigt die beeindruckenden Bilder der Into-Africa-Skulpturengalerie.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Workshops für zeitgenössische Kunst aus Simbabwe in einem kleinen fränkischen Dorf durchzuführen?

In den 1990er Jahren war ich als Reiseveranstalter im südlichen Afrika tätig und habe in Simbabwe ein Bildhauer-Dorf kennengelernt. Dort standen ca. 20.000 Skulpturen mitten im Wald, in allen Größen, Formen und Farben. Ich habe mir die ersten Skulpturen gekauft, um meinen Laden zu dekorieren. 1998 habe ich den ersten Workshop auf dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne in Nürnberg veranstaltet. Die Workshops habe ich nebenberuflich fortgeführt, wobei immer zwei Bildhauer aus Simbabwe für vier bis sechs Wochen hier waren. 2005 habe ich mich selbstständig gemacht. Seitdem bin ich als Kunsthändler und Workshop-Veranstalter in Wernsbach tätig.

Was darf man sich unter der jährlichen „Traditionellen Afrikanischen Kirchweih“ vorstellen?

Ursprünglich wollten wir eine Art „Tag der offenen Tür“ machen, bei dem man bei den Workshops zuschauen und Skulpturen erwerben kann. Dazu haben wir eine Afrikanische Band eingeladen. Daran anknüpfend haben wir den Schwerpunkt immer mehr auf Afrika gesetzt und nebenbei weitere Workshops angeboten – beispielsweise Trommelworkshops oder Workshops zur Afrikanischen Küche. Mittlerweile ist das Fest auf drei Tage ausgeweitet. Am Freitag beginnen wir mit einer Vernissage und einer Rock-n-Roll-Live-Band, am Samstag gibt es Afrikanische Musik und am Sonntag sitzen wir nochmal zusammen. Da es bei unserem Dorf keine eigene Kirchweih mehr gibt, spricht in unserem Fest jeder von der Wernsbacher Kirchweih.

Wie wurde Into-Africa in Wernsbach und Umgebung in der Anfangszeit aufgenommen?

Es wurde durchweg positiv aufgenommen. Mit Rassismus oder Ähnlichem hatten wir nie Probleme. Es war schon immer so, dass unsere Nachbarn auf ihren Traktoren vorbeigefahren sind, freundlich gegrüßt haben und die Afrikaner freundlich zurückgegrüßt haben. Unser erstes Fest hat allein die Dorfbevölkerung gerettet.  Wir waren noch relativ unbekannt, aber es war das ganze Dorf da. Die Gemeinde unterstützt uns zudem stets mit Logistik und bspw. der Einladung zu Bürgerfesten, bei denen wir uns präsentieren dürfen.

Den Schwerpunkt der Ausstellung setzt die sogenannte Shona-Art. Historisch betrachtet wäre aber die Bezeichnung Simbabwe-Kunst treffender.
Shona ist ein Sammelbegriff, den die Engländer für fünf Völker mit einer relativ ähnlichen Sprache geschaffen haben. Die Bevölkerung in Simbabwe besteht zu 75 Prozent aus Shona.
Die restlichen 25 Prozent sind u.a. Tonga, Ndebele und viele Zuwanderer aus Nachbarländern. Dieser Querschnitt ist auch in der Bildhauer-Bewegung sichtbar.
Die ersten großen Künstler aus Simbabwe hatten keine künstlerische Ausbildung. „Das waren ganz einfache Menschen, die angefangen haben, ohne kunsthistorisches Wissen Kunst zu schaffen“, erklärt Fritz Meyer.
Fritz Meyer arbeitet inzwischen an verschiedenen weiteren Workshop-Konzepten, beispielsweise an Teambuilding-Events für Firmen.
Den Schwerpunkt der Ausstellung setzt die sogenannte Shona-Art. Historisch betrachtet wäre aber die Bezeichnung Simbabwe-Kunst treffender.

Welche Bedeutung steckt hinter dem Titel Ihrer Sammlung „Visionen in Stein“?

Es gibt ja bereits Talking-Stones, Spirituous-Stones, Living-Stones und vieles mehr.  Wir wollten etwas anderes machen. Der Künstler Ignatius Zhuwakiyi ist davon überzeugt, dass ein Stein viele Skulpturen in sich trägt und abhängig von der Gedanken- und der Gefühlswelt, den Visionen und den Ideen des Künstlers eine freilegt. Aus dem Englischen lässt sich „vision“ mit „das Sehen“ und der Ausdruck „to be a real vision“ sinngemäß mit „wunderschön sein“ übersetzen. Da war Ignatius und mir klar, dass die Ausstellung „Visionen in Stein“ heißen muss.

Diana Danoyan

Nikolas Pfeil

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