Die Erkältung im Fokus – Heilpraktiker 2/2

Der Heilpraktiker – Alles Hokuspokus oder eine echte Alternative?

Im letzten Artikel habe ich ja bereits über die Arbeit des Heilpraktikers berichtet. Von der Theorie kommen wir jetzt zur Praxis. Es wird ernst, denn ich werde alles am eigenen Leib erleben: von der Erstuntersuchung über den Holzhammer bis zur Moxalampe. Wie mein erster Termin beim Heilpraktiker abgelaufen ist, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Beginn und Anamnese

Zugegeben, ein bisschen aufgeregt war ich schon. Dabei wusste ich ja eigentlich bereits, was auf mich zukommt. Heidi Wild hatte mir bereits angekündigt, ein ausführliches Gespräch mit mir über meine Lebensweise und meine Krankheitsgeschichte zu führen. Diese Anamnese ist für die Arbeit des Heilpraktikers (HP) unerlässlich, da immer der komplette Mensch betrachtet wird. Schließlich ist es soweit und ich nehme im Behandlungszimmer Platz. Das Gespräch beginnt. Zuerst erfragt Heidi Wild meine persönlichen Daten wie Adresse, Telefon und Familienstand. Dann zeigt sie mir ein Schaubild eines Skeletts. Von Kopf bis Fuß besprechen wir alle Körperteile in Bezug auf Verletzungen. Die kritischen Stellen werden gelb markiert, die sehr kritischen rot. Auch kleine und weit zurück liegende Verletzungen können hier wichtig sein. Ich für meinen Teil habe mir im zarten Alter von fünf Jahren beim Schlittschuhlaufen den linken Arm gebrochen. Für mich ist das heute, 16 Jahre später, kein Thema mehr. Für den HP ist es allerdings eine wichtige Information, die zu mir gehört. Konkret heißt das: Mein linker Arm wird im Schaubild gelb markiert. Da ich bisher zum Glück keine schwerwiegenden Krankheiten in meinem Leben hatte, sind wir relativ schnell an den Füßen angelangt. Heidi Wild erzählt mir aber auch, dass dieser Teil auch gerne einmal länger dauern kann – bei entsprechender Vorgeschichte. Zuletzt werde ich noch gefragt, welche Operationen ich bereits hinter mir habe und ob ich gegen etwas allergisch bin. Auch nach der Krankheitsgeschichte der Familie wird gefragt. Gerade bei erblichen Krankheiten kann das ein wichtiger Punkt sein. Glücklicherweise ist das in meiner Familie nicht der Fall.

Beratung

Nach dem ausführlichen Gespräch erklärt mir Heidi Wild Wege und Möglichkeiten der Behandlung. Zuerst geht sie noch auf mögliche Ursachen ein. In der Anamnese konnte erstmal keine direkte Ursache gefunden werden, weshalb ich so anfällig bin für Erkältungen. Weitere Ursachen für ein schwaches Immunsystem können zum Beispiel diverse Mängel und Ungleichgewichte im Körper sein. Diese entstehen durch Stress und die falsche Ernährung. Mir wird empfohlen, mehr Eisen zu mir zu nehmen. Dieses steckt zum Beispiel in roten Säften oder roter Beete. Die HP erklärt mir, dass zum Beispiel ein Eisenmangel sehr oft ein Problem bei jungen Frauen in meinem Alter sei. Eine weitere Ursache könnte ein Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt sein. Dieser lässt sich relativ leicht zuhause mit Indikatorpapieren überprüfen. Allerdings sollten die Werte mehrmals täglich über mehrere Tage in einer Kurve festgehalten werden. Nach dem Ergebnis kann dann entsprechend gehandelt werden. Bei jeder Form der Behandlung steht mir jedoch komplett frei, ob ich diesen Weg gehen möchte, wie die Heilpraktikerin betont. Jede Art der Therapie muss ja schließlich auch vom Patienten gewollt sein und ein wenig Mitarbeit ist auch erforderlich.

Behandlung und Untersuchung

Natürlich gibt es nicht nur Möglichkeiten zur Selbstbehandlung, wie zum Beispiel mehr rote Beete zu essen, um den Eisenhaushalt aufzustocken. Der Heilpraktiker kann auch vor Ort noch ein bisschen was machen. Wir wechseln das Behandlungszimmer. Statt Tisch und Stühlen gibt es hier eine Liege. Ich darf Platz nehmen. Zuerst werden verschiedene Punkte am Körper auf Schmerzempfindlichkeit überprüft. Diese Art der Untersuchung sagt dem HP bereits viel über den Menschen und dessen Probleme aus. Angefangen an den Händen drückt Heidi Wild also verschiedenste Akupunkturpunkte und fragt dabei nach meinem Befinden. Das gleiche Spiel folgt an den Füßen. Zwar merke ich Unterschiede zwischen den verschiedenen Punkten, aber wirklich unangenehm sind nur wenige. Schmerzresistent war ich schon immer. Danach zeigt sie mir noch zwei Punkte, einen am Ohr und einen an der Hand, die ich selbst mit Akupressur behandeln kann, um Energie-Blockaden zu überwinden und mein Chi in Fluss zu bringen.

Der nächste Schritt ist die Vibration. Genutzt wird hierzu ein Gerät, optisch einem Hammer ähnelnd, das in unterschiedlichen Stufen vibrieren kann. Mit ihm wird der Schleim der Erkältung zerkleinert und aufgelöst. Aber auch bei Muskelverspannungen kann diese Therapie Abhilfe schaffen. Diese Behandlung findet bei mir besonders wegen meines trockenen Reizhustens und festsitzenden Schleims Anwendung. Danach kann der Schleim meist besser abgehustet werden. Dazu soll ich mich auf den Bauch legen. Die Vibrationen am Rücken sind sehr angenehm. Allerdings kann es passieren, dass Patienten nach, oder noch während dieser Form der Behandlung einen starken Hustenreiz bekommen. Das ist jedoch ein gutes Zeichen, da jetzt der Schleim abgehustet werden kann.

Fibration – Mit diesem Gerät kann zum Beispiel festsitzender Schleim in den Bronchien gelockert werden.
Mit diesem Gerät kann zum Beispiel festsitzender Schleim in den Bronchien gelockert werden.
Fibration – Dieses hammerähnliche Gerät kann in unterschiedlichen Stärken vibrieren.
Das hammerähnliche Gerät kann in unterschiedlichen Stärken vibrieren.

Auf die Vibration folgt eine Spannungsmessung am Körper. Dadurch kann der Heilpraktiker feststellen, wo sich Ungleichgewichte befinden. Jedes Ungleichgewicht im Körper sorgt für eine erhöhte Anfälligkeit bei Infektionen. Die Heilpraktikerin zeigt mir was passiert, wenn der Kreis des Messgerätes geschlossen wird: Es piept. Einen Teil bekomme ich in die Hand, mit dem anderen geht sie spezielle Punkte an meinem Ohr entlang. Die Theorie der Ungleichgewichte stammt aus der chinesischen Medizin. Dort gibt es die Vorstellung, dass eine Art Lebensenergie durch den Körper fließt: das Chi. Befindet sich dieses nicht im Fluss, entstehen die genannten Ungleichgewichte.

Die Moxalampe – Durch ihre sehr tiefgehende Wärme soll die Lampe das Chi des Körpers stärken
Die Moxalampe – Durch ihre sehr tiefgehende Wärme soll die Lampe das Chi des Körpers stärken

Die letzte Behandlungsform ist die sogenannte Moxalampe. Diese Lampe kann man sich vorstellen wie eine kleine Sonne. Sie verfügt über eine mit verschiedenen Mineralien beschichtete Keramikplatte, die von der Rückseite her erwärmt wird. Mit ausreichend Abstand scheint mir die Wärme auf den oberen Rücken. Das Gefühl dabei ist wirklich sehr angenehm – warm, aber nicht zu heiß. Allerdings kann man sich mit der Lampe auch schnell die Haut verbrennen und einen Sonnenbrand holen. Gerade bei der ersten Behandlung mit Moxa sei es deshalb wichtig, besonders auf die Haut des Patienten zu achten, erklärt mir Heidi Wild, schließlich vertrage die Behandlung jeder anders. Der Sinn dieser Behandlung liegt ebenfalls dem Chi zugrunde. Die sehr tiefgehende Wärme (tiefer als Rotlicht) stärkt das Chi und bringt es in Fluss. Ich darf vorerst zehn Minuten unter die Lampe, später kann die Zeit verlängert werden. Ich mache die Augen zu und genieße die Erfahrung. Die Wärme fühlt sich fast ein bisschen an wie Urlaub. Nachdem der Timer der Moxalampe abgelaufen ist, soll ich vorsichtig aufstehen, um den Kreislauf nicht durcheinander zu bringen. Auch den restlichen Abend soll ich ruhig verbringen, so die Empfehlung.

Das war also meine erste Erfahrung mit alternativen Behandlungsmethoden zur Schulmedizin. Ob diese erfolgreich sein werden, kann leider nur die Zeit zeigen. Nichtsdestotrotz kann es hilfreich sein, nicht immer nur die akuten Symptome zu beachten. Gerade bei immer wiederkehrenden Krankheiten kann diese ganzheitliche Betrachtung des Menschen helfen, da die Ursache auch an einer anderen Stelle sitzen kann. Zudem empfand ich alle Behandlungsmethoden als sehr sanft und angenehm.

Anna Füg

Anna Füg

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