Die Erkältung im Fokus – Heilpraktiker 1/2

Der Heilpraktiker – Alles Hokuspokus oder eine echte Alternative?

Der Ruf des Heilpraktikers ist nicht der Beste. Ich habe mich trotzdem getraut und mit der Heilpraktikerin Heidi Wild gesprochen. Aber kann der Gang zum Heilpraktiker eine sinnvolle Alternative zum Schulmediziner darstellen, insbesondere bei Erkältungen?

Allgemeines zum Heilpraktiker

Das Yin- und Yang-Zeichen stellt die Ganzheitlichkeit dar. Die Ganzheitlichkeit des menschlichen Körpers hat in der Naturmedizin und somit bei den Heilpraktikern einen hohen Stellenwert.

Bevor wir richtig ins Thema einsteigen können, müssen wir zuerst klären, was ein Heilpraktiker (HP) überhaupt ist. Eine etwas überdrehte Kräuterhexe, die außer der Naturheilkunde sämtliche anderen Medizinformen strikt ablehnt. So sieht das Bild eines Heilpraktikers vielleicht in der Vorstellung einiger Menschen aus. Ich kann Euch schon mal sagen: So schlimm ist’s nicht! Zwar bildet ein HP grundsätzlich erstmal den Gegenpart zur Schulmedizin. Allerdings betrachten sich viele Heilpraktiker mittlerweile auch als Ergänzung dazu und auf der anderen Seite sind auch Ärzte für die natürliche Alternative offener geworden. Die Trennung ist also längst nicht mehr so streng, wie man vielleicht denken könnte. Einige HPs arbeiten oft mit alten, chinesischen Medizinformen. Außerdem wird stets der ganze Körper betrachtet, also die Ganzheitlichkeit von Körper, Seele und Geist. Die Berufstätigkeit des Heilpraktikers erfordert eine staatlich anerkannte Ausbildung. Ihr seht: Auch der Heilpraktiker muss einen offiziellen Weg gehen, bevor er auf Patienten losgelassen werden kann.

Jetzt kennen wir die Grundlagen. Aber was sind die Unterschiede zum Arzt? Die Schulmedizin behandelt oft symptomatisch. Das heißt, wenn ich mit einer Erkältung zum Arzt komme, verschreibt mir dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas gegen meine Symptome. Also zum Beispiel ein Nasenspray. Der Ansatz des HP ist ein wenig anders. Wie oben bereits erwähnt, wird immer der ganze Körper betrachtet. Die Idee dahinter ist, dass die Ursache nicht zwingend am Wirkungsort liegen muss. Soll heißen: Der Auslöser meiner Erkältung kann eine tiefere Ursache haben, wie etwa ein durch Stress geschwächtes oder ein allgemein zu schwaches Immunsystem. Aber auch diverse Ungleichgewichte im Körper, welche die Anfälligkeit erhöhen. Beide Ansätze haben, so wie immer, ihre Vor- und Nachteile. Während die Schulmedizin vom technischen Fortschritt profitiert, mit dem sich unzählige Möglichkeiten wie Röntgenbilder und Computertomographien ergeben, versucht die Naturheilkunde es stets mit sanfteren Methoden und sucht zuerst nach der Ursache.

Es ist also immer eine individuelle Entscheidung, welcher Medizinform man selbst vertrauen möchte. Somit ist auch der Entschluss, einen Heilpraktiker aufzusuchen, rein individuell zu treffen. Hingehen kann aber grundsätzlich jeder. Die Behandlung hat keine Altersgrenze. Eine Einschränkung sind jedoch die Kosten. Diese sind privat zu tragen, da die Krankenkasse hier nicht greift. Die Preise richten sich nach der Gebührenordnung für Heilpraktiker. Diese lässt sich im Internet leicht finden. Allerdings ist diese Liste keine Vorschrift und auch teilweise bereits veraltet. „Für neuere Behandlungsmethoden gibt es noch keine Richtlinien“, erklärt Heidi Wild. Jeder Heilpraktiker kann also seine Preise frei bestimmen.

Therapieansatz

Neben den Unterschieden zwischen Schul- und Naturmedizin gibt es auch unter Heilpraktikern noch Unterschiede. Der eine hat eher einen esoterischen Ansatz, während der andere sich wiederrum als Ergänzung zur Schulmedizin sieht. Es bleibt jedem selbst überlassen, mit welchem Ansatz die persönlichen Überzeugungen am besten übereinstimmen. Wie auch bei Ärzten gibt es verschiedene Spezialisierungsrichtungen. Hinzu kommen die verschiedenen Ausbildungsformen. Es gibt den „großen Heilpraktiker“ und den „kleinen Heilpraktiker“. Der „Große“ kann alles behandeln, während der „Kleine“ nur für psychische Erkrankungen zuständig ist. Zahnerkrankungen dürfen aber von keinem behandelt werden, da ein Heilpraktiker hierfür keine Ausbildung hat. „Außerdem ist ein Arzt immer noch höherstehend in Entscheidungen“, erzählt Heidi Wild. „Würde ich bei einem akuten Problem keinen Arzt rufen, wäre das unterlassene Hilfeleistung.“ Die Wahl des richtigen Heilpraktikers ist auch immer eine persönliche, ähnlich wie die Wahl eines Arztes. Sympathien sollten auf beiden Seiten gegeben sein. Ist das nicht der Fall, lohnt sich auch das Weitersuchen.

Aber was kann jetzt ein HP bei einer Erkältung machen? Die Therapie ist immer individuell auf den Patienten und dessen Krankheitsgeschichte zugeschnitten. Hierfür ist eine vorherige, ausführliche Anamnese, also ein ausführliches Gespräch über den Patienten und seine bisherigen Erkrankungen, unerlässlich. Danach wird die Therapie speziell auf den Patienten abgestimmt und eine Behandlungsform ausgewählt. Diese kann zum Beispiel Akupunktur oder Akupressur sein. Hierbei werden bestimmte Punkte am Körper entweder mit Nadeln behandelt (Akupunktur) oder einfach nur mit den Fingern oder einem kleinen Stäbchen gedrückt (Akupressur). Möglich ist auch eine Behandlung mit einer speziellen Lampe, der Moxalampe. Bei verschleimten Bronchien kann eine Vibrationsmassage am Rücken helfen. Hierfür wird ein kleines, hammerähnliches Gerät benutzt, welches sanft vibriert. Mit seiner Hilfe kann der festsitzende Schleim in den Bronchien gelöst werden. Zusätzlich zu den Behandlungsoptionen kann der Heilpraktiker Hinweise zur Ernährung geben. Oft gibt es Empfehlungen für pflanzliche Substanzen. Heidi Wild erklärt mir, dass bei einer Erkältung meist Eisen verbraucht wird. Dieser Mangel muss dann durch Kräuter oder Nahrungsmittel wie rote Säfte ausgeglichen werden. Auch können warme Gewürze wie etwa Zimt gegen Frieren helfen.

Was erwartet mich?

Nach den ganzen Informationen über Heilpraktiker bleibt die Frage, wie der erste Besuch abläuft. Zuerst erfolgt die ausführliche Anamnese. Der Heilpraktiker erfährt also meine gesamte Lebensgeschichte. Hier kann es hilfreich sein, aktuelle Befunde wie Röntgen- oder Blutbilder parat zu haben. Der erste Termin ist meist auch der längste. Heidi Wild plant hier immer mit ca. 1,5 bis 2 Stunden. Für die weiteren, reinen Behandlungstermine des jetzt bekannten Problems, sind 30 bis 45 Minuten ausreichend. Auch diese Zeiten richten sich nach dem Patienten und dessen Anliegen und Bedürfnissen.

Mit all dem Wissen bin ich also gewappnet für meinen ersten Termin, die Anamnese und die weitere Behandlung. Wie das Gespräch abläuft und die Behandlung aussieht, werde ich in meinem nächsten Artikel berichten. Ich bin schon gespannt, was da auf mich zukommt!

Die genannte Gebührenordnung findet Ihr unter:
http://www.heilpraktiker.org/gebuehrenverzeichnis-fuer-heilpraktiker

Zusätzlich findet Ihr auf der Webseite weitere Informationen rund um den Heilpraktiker.

Anna Füg

Anna Füg

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