Die Erkältung im Fokus – Arzt

Dieser Artikel und die enthaltenen Informationen dürfen nicht als Ersatz für eine professionelle Behandlung durch einen Arzt angesehen werden. Ferner sollen die Inhalte nicht dazu dienen, eigenständig Diagnosen zu stellen.

Behandlung einer Erkältung – Der Weg der Schulmedizin

Nachdem die Hausmittel keine wirkliche Besserung brachten, stellt sich die Frage nach professioneller Hilfe. Aber ist diese wirklich bei jeder kleinen Erkältung notwendig? Ich habe mit Herrn Dr. Rolf Leykauf gesprochen. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin in Wachendorf bei Cadolzburg und hat mir ein paar Fragen zum Thema Erkältung beantwortet.

Wann sollte ich mit einer Erkältung zum Arzt?

Ein wenig Schnupfen, das kennt doch jeder. Aber deswegen direkt zum Arzt? Vielleicht steckt ja auch mehr hinter dem bisschen Schnupfen. Grundsätzlich ist zu sagen: Geht zum Arzt, wenn ihr euch danach fühlt! Es ist niemandem geholfen, wenn es euch super schlecht geht und ihr aber nichts unternehmt, weil es nur ein „kleines bisschen Schnupfen“ ist. Herr Dr. Leykauf rät dazu, einen Arzt aufzusuchen, wenn folgende Symptome auftreten:

  • Fieber über 39°C
  • starke Luftnot, Hustenanfälle oder deutliche Atemgeräusche
  • Husten mit gelben oder grünem Auswurf (tritt bei einer bakteriellen Bronchitis auf)
  • starke Halsschmerzen (Hinweis auf eine Seitenstrangangina oder eine Mandelentzündung)
  • ausgeprägter Schnupfen mit Kopf- und Kieferschmerzen sowie farbigem Nasensekret und verklebten Augen (bei Bindehautentzündung)
  • starke Ohrenschmerzen (Hinweis auf Mittelohrentzündung)
  • extreme Schwäche und Mattigkeit (Hinweis auf eine schwere Grippe und nicht nur eine harmlose Erkältung)
  • Infekte, die länger als zwei Wochen anhalten
  • bei chronischen Grunderkrankungen wie Asthma/COPD, Herzinsuffizienz oder Tumorleiden etc.

Muss ich überhaupt zum Arzt?

Variante 1 – Erkältung: Die meisten Erkältungen werden durch Viren ausgelöst. Diese sind meist völlig harmlos. Bei einer solchen Erkältung treten die üblichen Symptome wie Schnupfen, Hals- und Kopfschmerzen normalerweise zwei Tage nach der Ansteckung auf. Nach zwei Wochen ist der Infekt meistens überstanden. Ein Arztbesuch ist hier nicht zwingend nötig.

Variante 2 – Superinfektion: Durch eine Erkältung wird das Immunsystem geschwächt. Es ist anfälliger für weitere Krankheiten und Infektionen. Im Verlauf einer normalen Erkältung kann es zusätzlich zu einer weiteren Infektion mit Bakterien kommen (Superinfektion). Zu erkennen ist die Superinfektion daran, dass sich der bereits abklingende Infekt plötzlich verschlechtert. Die Symptome gleichen hierbei denen von Variante 1. Hier kann es sinnvoll sein, einen Arzt aufzusuchen. Besonders dann, wenn die Krankheit bereits länger als zwei Wochen andauert (siehe Liste der Symptome).

Variante 3 – „Echte Grippe“: Diese Art der Grippe, auch Influenza genannt, wird durch bestimmte Viruserreger hervorgerufen. Typisch für diese Krankheit ist ein plötzlicher Beginn mit rascher Verschlechterung innerhalb von Stunden bis weniger Tage. Die schwerwiegenden Symptome umfassen einen starken Fieberanstieg mit Schüttelfrost, Schwächegefühl, Erschöpfungssymptome sowie Muskel- und Gliederschmerzen. Hier kommt es selten vor, dass zusätzlich Schnupfen eines der Symptome ist. Bei den genannten Beschwerden sollten vor allem ältere Menschen und Kinder zeitnah einen Arzt aufsuchen. Empfehlenswert ist der Besuch jedoch unabhängig vom Alter des Patienten.

Welche Behandlungsoptionen gibt es?

Bei einer normalen Erkältung reicht es meistens schon aus, sich etwas Ruhe und körperliche Schonung zu gönnen. Zusätzlich können eine symptomatische Therapie mit pflanzlichen Medikamenten und entzündungshemmenden Substanzen zu einer schnellen Besserung verhelfen. Sich schonend auszukurieren ist die beste Alternative. Dr. Rolf Leykauf erklärt: „Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infekten“, nicht aber bei viralen.

Bei einer bakteriellen Superinfektion stehen diverse Antibiotika-Präparate als Behandlungsoptionen zur Verfügung. Das Medikament wird je nach Erregerspektrum kalkuliert und eingesetzt.

Bei der Influenza-Grippe werden spezielle Medikamente gegen die Viren eingesetzt. Innerhalb von 48 Stunden nach Krankheitsbeginn sollte bereits die Einnahme bzw. Anwendung der antiviralen Medikamente erfolgt sein. Nur wenn dieses Zeitfenster eingehalten wird, können die Medikamente die Krankheitsdauer verkürzen sowie die Schwere der Symptome mindern, indem sie die Vermehrung der Viren verhindern. Das funktioniert aber nur, solange sich die Viren noch nicht zu sehr im Körper ausgebreitet haben. Zudem sinkt die Gefahr einer Folgeinfektion. Verzichtet man auf einen Arztbesuch, weil zum Beispiel die Symptome nicht sehr ausgeprägt sind, bleibt die Krankheit oft sogar unbemerkt und verläuft wie eine leichte Erkältung. Hier helfen die typischen Mittel wie Bettruhe und ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um wieder fit zu werden.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Zu Beginn der Untersuchung erfolgt eine Anamnese. Hierfür schildert der Patient ausführlich seine Beschwerden sowie die Dauer der Erkrankung. „Je nachdem, wo welche Beschwerden vorliegen, untersucht der Arzt diese Bereiche“, erklärt Dr. Rolf Leykauf.

Was wird untersucht?

Auf Basis der Beschwerden werden die einzelnen Bereiche untersucht. Hierzu können der Mund- und Rachenraum sowie die Ohren gehören. Zudem hört der Arzt die Lunge des Patienten ab. Bei gegebenen Symptomen kann auch der Hals auf Lymphknotenschwellungen abgetastet werden. Möglich ist es auch, bei Verdacht auf eine Nasennebenhöhlenentzündung auf bestimmte Stellen im Gesicht und auf der Stirn zu klopfen. Besteht die Vermutung einer Infektion mit der Influenza-Grippe, können ein Rachenabstrich und Blutuntersuchungen Klärung verschaffen.

Was kann bei einer nicht behandelten/nicht auskurierten Erkältung passieren?

Wie bei fast jeder Krankheit, kann auch bei einer Erkältung eine ganze Reihe von Problemen auftreten. Dadurch kann es zu dauerhaften bis zu lebensbedrohlichen Folgezuständen kommen. Nachstehende Komplikationen zählt mir Dr. Rolf Leykauf auf. Diese können bei einer nicht auskurierten Erkältung oder der Nichtbehandlung eines schweren grippalen Infekts entstehen:

  • Lungenentzündung, mit späterer Anfälligkeit der Atemwege für Infekte
  • Herzmuskelentzündung, mit möglichen, nachfolgenden Herzklappenschäden und Herzinsuffizienz sowie Herzrhythmusstörungen
  • Kehlkopfentzündung: Bei einem chronischen Verlauf kann sich die Stimme verändern
  • Seitenstrangangina, mit der Gefahr eines später auftretenden rheumatischen Fiebers, eines Abszesses oder einer Mittelohrentzündung
  • Mittelohrentzündung, mit der Gefahr der Hörschädigung durch eine Innenohrentzündung oder einer Hirnhautentzündung
  • Nasennebenhöhlenentzündung, mit der Gefahr der Chronifizierung und zunehmender Infektanfälligkeit

 

Ihr seht, eine Erkältung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Meistens ist jedoch kein Arztbesuch nötig und die Krankheit verschwindet nach einiger Zeit von alleine. Trotzdem sollte auch eine harmlos wirkende Erkältung nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Gerade wenn diese nicht richtig auskuriert wird, kann das weitreichende Folgen haben. Die Entscheidung, für oder gegen einen Arztbesuch, sollte deshalb immer gut abgewogen werden. Hier stellt sich auch die Frage, ob die Naturheilkunde nicht vielleicht eine gute Alternative zur Schulmedizin darstellt – eine Antwort darauf gibt es im nächsten Artikel.

Anna Füg

Anna Füg

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