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Faszination Fliegen beim Aeroclub Ansbach

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Ein Siegelflieger des Aeroclub Ansbach.

Der Aeroclub Ansbach verbindet die Faszination Fliegen mit sportlichen Wettkampfelementen. Rund 100 Mitglieder fliegen aktiv am Flugplatz Ansbach-Petersdorf, auf dem neben dem Segelflug auch Motor-, Ultraleicht- und Kunstflug angeboten wird. FrankenSein erfuhr das fliegerische Erlebnis und entdeckte die Schönheit der Natur aus der Luft.

Thomas Kuhn ist nicht nur der Vorstand des Aeroclub Ansbachs, sondern auch einer von drei Akteuren, die den Verein in der Segelflug-Bundesliga vertreten. In der höchsten Klasse auf nationaler Ebene versuchen die besten 30 Vereine Deutschlands an insgesamt 19 Wochenenden zwischen April und August die meisten Kilometer in 2,5-Stunden-Zeitfenstern zu absolvieren. Der Aeroclub Ansbach gehört der Bundesliga seit 2005 nahezu durchgehend an. Nach zuletzt einem Jahr in der Zweitklassigkeit erhofft sich der Aufsteiger in dieser Saison einen gesicherten Mittelfeldplatz. „Für uns ist es schwierig, ganz vorne dabei zu sein, weil wir von den Örtlichkeiten nicht optimal gelegen sind. Wir können uns daher eigentlich nicht mit Vereinen vergleichen, die beispielsweise im Thüringer Wald oder auf der Schwäbischen Alb angesiedelt sind. Nichtsdestotrotz wollen wir uns gut behaupten“, erklärt uns Kuhn.

Die Kunstflug-Elite zu Gast in Ansbach-Petersdorf

Eugen Schaal hatte im Alter von 17 Jahren mit dem Streckenfliegen begonnen, wechselte dann aber relativ schnell zum Kunstflug. Inzwischen ist er mehrmaliger Deutscher Meister, Weltmeister im Team und Vize-Weltmeister im Einzel. Im Gespräch mit FrankenSein erklärt er, wie er zu einem der besten Kunstflieger des Planeten wurde.

Eugen, du fliegst seit über 35 Jahren: Wie bist du dazu gekommen? 

Ich wollte das Segelfliegen unbedingt ausprobieren und als ich 17 Jahre alt war, konnte ich meine Eltern schließlich überreden. Sorgen haben sie sich keine gemacht, aber es war natürlich schon etwas seltsam, als der Sprössling dann das erste Mal ohne Fluglehrer fliegen durfte und auch ab und zu auf einem Acker landen musste. Insbesondere beim Kunstfliegen kam oft die Frage auf, ob das gefährlich gewesen sei. Da musste ich das ein oder andere Mal etwas beruhigen und die Hintergründe erklären. 

Aus welchen Gründen hast du dich entschieden, nicht nur zum Spaß, sondern auch auf Wettkampfbasis zu fliegen? 

Das Kunstfliegen ist eine sehr spezielle und herausfordernde Sportart. Man lernt bei jedem Flug etwas dazu und ich hatte den Anreiz, mich mit anderen Piloten zu vergleichen. Der erste Wettbewerb war noch auf sehr niedrigem Niveau, aber ich habe direkt Spaß daran gefunden. Es folgte die erste Landesmeisterschaft und schließlich die erste Deutsche Meisterschaft. In der Kunstfliegerszene ist das Konkurrenzdenken im Vergleich zu anderen Sportarten nicht so enorm, man hilft und unterstützt sich eher gegenseitig. 

Wie realistisch ist der WM-Titel im Einzel? 

Es ging bei mir jahrelang raketenhaft nach oben, aber das flacht dann auch irgendwann ab. Aktuell befinde ich mich leistungsmäßig auf einer Art Plateau. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste und es kommen stets junge, gierige Nachwuchsflieger nach. Der Einzelweltmeister-Titel ist daher relativ unwahrscheinlich. Ich möchte dann abtreten, wenn es mir noch Spaß macht und nicht solange warten, bis mir jeder um die Ohren fliegt. 

Bei internationalen Segel-Kunstflug-Wettbewerben ist insbesondere der Faktor Konzentration entscheidend. Die Fliegerinnen und Flieger müssen in mindestens 200 Metern Höhe ein im Vorfeld bekanntes und ein unbekanntes Programm absolvieren. Jedes Programm besteht aus ca. zehn sogenannten Figuren (bspw. Linien, Rollen oder Loops), die alle einen individuellen Schwierigkeitsfaktor (den sogenannten K-Wert) haben, und dauert im Schnitt rund drei Minuten. Ein Punktrichter-Team bewertet schließlich die Ausführung nach Flugstil, Positionierung etc. Um den Wettkampf für sich zu entscheiden, gilt es also, die schwierigsten Figuren am elegantesten und präzisesten zu absolvieren.

Auch wenn die Piloten der deutschen Nationalmannschaft im Gegensatz zu vielen anderen Nationen nicht als Profisportler gelten, dominieren sie die internationale Kunstflugszene. Maßgeblichen Anteil daran hat Trainer Georg Dörder. Gegenüber FrankenSein verrät er die Geheimnisse hinter den Erfolgen und erklärt die Aufgaben eines Flug-Trainers. 

Georg, woraus besteht das Aufgabengebiet eines Segel-Kunstflug-Trainers? 

Bei einem Wettkampf kommt es hin und wieder vor, dass in einem Programm eine Figur dabei ist, die mehrere Piloten noch nie geflogen haben. Da ist es hilfreich, einen Trainer dabei zu haben, der zumindest theoretisch anspricht, wie die Figur optimal geflogen werden kann. Während der Flugphase sprechen wir auf Band die Fehler ein und arbeiten im Training gezielt an Schwächen, die sich summieren. Mir ist wichtig, dass die Flugsicherheit stets im Vordergrund steht. Wenn man bei Figuren über das Limit gehen muss, möchte ich sicherstellen, dass diese direkt abgeblockt werden. 

Ihr seid mehrfacher Weltmeister im Team – und das obwohl ihr im Gegensatz zu vielen Konkurrenten offiziell nicht als Profisportler zählt. Aus welchen Gründen fliegt ihr trotzdem besser als die? 

Viele Nationen haben drei bis vier sehr gute professionelle Flieger, doch wenn einer nicht liefert, haben sie oft keinen, der nachrückt. In Deutschland sind wir dagegen wesentlich breiter aufgestellt. Wenn bei uns zwei Flieger ausfallen, stehen direkt zwei Nachrücker parat, die in die Teamwertung mit eingehen und das Level hochhalten. Im Gegensatz zu vielen Ländern haben wir interne Qualifikationen: Nur, wer sich bei uns qualifiziert, fliegt auch Nationalmannschaft. 

Welche Ziele verfolgst du noch? 

Ich möchte, dass wir bei jeder Weltmeisterschaft eine Medaille gewinnen. Auch wenn ich diese nicht selbst um den Hals trage, bin ich schon stolz, wenn von mir trainierte Flieger einen Titel einfliegen. Das nächste Ziel ist wieder der Team-Weltmeister-Titel, aber auch der Einzel-Weltmeister-Titel ist im Bereich des Möglichen! 

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