Sinnesabenteuer unter freiem Himmel: Sinne an, Alltag aus! Unterwegs im Nürnberger „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“​

Ein Beitrag von Katharina Beil, Jacqueline Keller

Direkt an der Pegnitz, mitten auf der Wöhrder Wiese, lädt das Nürnberger Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne dazu ein, Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Staunen neu zu entdecken – analog, interaktiv und für alle Generationen. Rund 100 Stationen, kreative Werkstätten und ein buntes Rahmenprogramm machen den Besuch zu einem Tag voller Aha-Momente, an dem Lernen fast nebenbei passiert.​

Was das Erfahrungsfeld so besonders macht

Das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne ist ein erlebnispädagogischer Parcours im Freien, der jedes Jahr von Frühjahr bis Mitte September geöffnet ist und sich an Familien, Schulklassen, Kitas, Gruppen und Einzelbesucher richtet. Im Mittelpunkt steht das eigene Tun: An rund 100 interaktiven Stationen werden Naturphänomene, Physik, Wahrnehmung und das Zusammenspiel der Sinne spielerisch erfahrbar – fernab von Bildschirm und Dauerbeschallung.​

Die Einrichtung basiert auf den Ideen des Pädagogen Hugo Kükelhaus, der Sinne als „Tore zur Außenwelt“ verstanden hat und dafür plädierte, sie aktiv zu halten, statt sie verkümmern zu lassen. Genau diesen Ansatz setzt das Nürnberger Erfahrungsfeld um: Wer hier unterwegs ist, lauscht, balanciert, experimentiert, baut, druckt, tastet und entdeckt seine Umwelt – und sich selbst – im wahrsten Sinne des Wortes neu.

Inklusion, Umweltbildung und Werkstätten

Ein wichtiger Kern des Erfahrungsfeldes ist die gelebte Inklusion: Blinde und sehbehinderte Mitarbeitende nehmen Besucherinnen und Besucher als Expertinnen mit in ihre Lebenswelt, etwa bei Angeboten im Dunkeln oder bei Begegnungen im Stillen mit Gebärdensprache. Diese unmittelbaren Erfahrungen machen Barrieren sichtbar, fördern Empathie und zeigen, wie Wahrnehmungspädagogik und Inklusion sich gegenseitig stärken.​

Gleichzeitig ist das Erfahrungsfeld ein starker Lernort für Umweltbildung: Stationen zu Klima, Luft, Wasser oder Boden laden dazu ein, ökologische Zusammenhänge mit allen Sinnen zu begreifen und Natur als „Mitwelt“ zu erleben. Ergänzt wird das Ganze durch offene Werkstätten – von der traditionellen Druckwerkstatt über Klang- und Kreativangebote bis hin zu Themen rund um Nachhaltigkeit, in denen kleine und große Forschende selbst aktiv werden.​

Saisonstimmung und Jahresthema „Ganz Ohr“

Jede Saison steht unter einem eigenen Motto, das sich in neuen Stationen, Programmen und Veranstaltungen widerspiegelt. 2025 war das Erfahrungsfeld „Ganz Ohr“ – mit Angeboten zu Klängen, Musik, Schwingungen und der Kunst des Zuhörens, aber auch zu Gehörlosigkeit, Kommunikation und achtsamem Miteinander.​

Ob Lauschleitung, Klangforschung, Begegnungen im Stillen oder Forschungslabore: Viele Besuchende nehmen von hier nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch ein neues Gefühl für Rücksicht, Respekt und gemeinsames Erleben mit. So wird der Tag auf der Wöhrder Wiese zum analogen Gegenpol des digitalen Alltags – und Nürnberg zeigt, wie überraschend modern ein Ort sein kann, an dem die Sinne den Ton angeben.

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