Forstkultur: große Kunst im Kleinen

Ein Beitrag von Daniel Grabowski, Julia Maul, Luca Lohmüller, Selina Engel, Simon Schmidt, Sofia Löffler

Gute Luft, ruhige Straßen und Hühner am Wegesrand prägen das kleine Dorf Wehlmäusel bei Feuchtwangen — und Kultur auf Großstadtniveau. Grund dafür ist Matthias Beck und sein Team. Gemeinsam haben sie einen ehemaligen Tanzsaal zu einer Konzertstätte mit Bühne verwandelt. Seither wird das kleine Dorf von Kunst aller Art belebt. In der passend genannten Forstkultur treten wöchentlich bekannte Kabarettisten und Bands auf. Die Veranstaltungen sind oft schon weit im Voraus ausgebucht.

An diesem Abend heizt die Band Gankino Circus aus Dietenhofen die Menge ein. Praktisch, denn kurz vorher war die Heizung für mehrere Stunden ausgefallen. Selbst nach 15 Jahren bleiben Überraschungen eben nicht aus, aber Beck und sein Team haben Routine. Die besagte Heizung des Abends besteht aus vier fränkischen Musikern und einem Techniker. Matthias Beck und sie sind alte Bekannte, natürlich per du und gerne für einen Plausch bei Kaffee oder Bier. Sie seien für das gute Essen hier, erzählen die Musiker mit einem Schmunzeln. Was man esse, sei egal, alles schmecke gut.

Kultur schmeckt besser mit Essen im Magen

So sehen das auch die Menschen der Umgebung. Am Forst, wie die Wirtschaft zur Forstkultur heißt, ist beliebt und gut besucht. In das Restaurant fließt die meiste Arbeit von Beck. Die regelmäßigen Kulturveranstaltungen sind sein leidenschaftliches Nebenprojekt. Entsprechend geht Beck wieder seiner Hauptaufgabe nach: Essen kochen. Ob die Soße für die Ente gut schmecke, fragt Beck die Band und streckt ihnen einen Löffel hin. Ein positives Nicken reicht und er verschwindet zufrieden hinter seine Töpfe. Zeitgleich kommen die ersten Mitarbeiter an, ziehen sich Schürzen über und verschwinden ebenfalls in der Küche, aus der heute so gar nicht passende Schlagermusik läuft. Zu Gesicht bekommt man Beck danach kaum mehr. Am anderen Ende des Gebäudes stimmen die Musiker ein paar Songs an. Schlagzeug leiser, Bass lauter, passt. Nach dem Soundcheck wird es wieder ruhig. Die Band zieht sich zurück und bestellt Essen.

Es ist 18 Uhr, die Gäste werden reingelassen. Etwa 30 Menschen stehen bereits im Kalten Schlange. Die meisten von ihnen kommen wegen Gankino Circus, manche nur fürs Essen. Wobei typischerweise beides miteinander verbunden wird. In den Konzertsaal bringen die Kellner etwa 170 Portionen Schnitzel mit Kartoffelsalat, erzählt Beck mit etwas Schweiß auf der Stirn. Auch der lokale Brauer, von dem die Wirtschaft ihr Bier bekommt, ist für die Band hier. Er komme regelmäßig in die Forstkultur, nicht nur um das eigene Bier zu trinken.

Zurück zum Tanzsaal

Kurz nach 20 Uhr geht das Licht aus, das Publikum, das bis gerade noch mit Essen und Reden beschäftigt war, wird still. Die Band moderiert sich selbst an und kommentiert ironisch ihren extravaganten Auftritt. Dann folgen Gitarre, Schlagzeug, Ziehharmonika, Bass und Saxofon. Ein energiegeladenes Rockstück, eine witzige Ballade, immer mit bayerischem Sound, aber anders als erwartet. Im Hintergrund räumt das Team vom Forst das Geschirr ab, spült und kommt erstmals seit Stunden zur Ruhe. Belustigt sehen sie sich die Show an, wie die Stimmung besser und besser wird, Menschen mitklatschen, jubeln, tanzen.

Irgendwann sitzt niemand mehr brav auf den knarzenden Holzstühlen. Der ehemalige Tanzsaal findet an diesem Abend zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurück. Das Publikum tanzt und singt mit. Textsicherheit ist optional, ein Saxofonsolo wird eh besser gefühlt. Alle Instrumente bekommen genug Zeit, um bayerische Volksmusik mit Rock weiter verschmelzen zu lassen, so wie es die Forstkultur Bühnenprogramme mit der Dorflocation tut.

Sichtlich zufrieden sieht sich Matthias Beck die feiernde Menge an. Gankino Circus hat schon mehrmals in der Forstkultur gespielt, aber nie sei die Stimmung gar so gut gewesen wie an diesem eisigen Winterabend. Nach dem Konzert verabschiedet sich Beck von einigen Besuchern. Noch immer zufrieden, aber wohl wissend, dass kommende Woche wieder eine Kulturveranstaltung ansteht. Dann ein Kabarettabend – und genauso ausverkauft. Ein Ende des Kulturangebots auf Großstadtniveau im kleinen Wehlmäsuel ist nicht abzusehen.

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